Standortspezifisches Förderprofil

„Ich hielt immer Ausschau nach der Möglichkeit einer Begabung, denn die Kreativität des anderen nährt auch die eigene. Es ist ein gegenseitiger Antrieb. Was man selbst dazutut, bekommt man von anderen zurück.“ – (Anaïs Nin, Sich vom Traum führen lassen)

 

Einleitung

Jedes pädagogische Handeln schließt Fördern ein. Fördern bedeutet, Menschen vielfältig anzuregen, ihre Potenziale auszuschöpfen, ihre Fähigkeiten zu kultivieren und ihre Schwächen zu kompensieren.

Förderung meint nicht nur einen fachlich-kognitiven Bereich, sondern schließt auch

die Persönlichkeitsentwicklung und soziale Aspekte mit ein.

Das Musikgymnasium hat sich zum Ziel gesetzt, dass seine Absolventinnen und Absolventen

• breit gefächerte Grundkompetenzen erwerben,

• sich Wissen selbstständig aneignen können,

• die Fähigkeit und Bereitschaft zu lebensbegleitender Weiterbildung besitzen,

• aktiv Kunst und Kultur erleben,

• eine gereifte Persönlichkeit entfalten.

Um diese Ziele verwirklichen zu können, bedarf es einer besonderen Haltung zu Förderung von Schülerinnen und Schülern:

• Grundsätzlich wertschätzender Umgang mit SchülerInnen,

• Bekenntnis, dass die Unterschiede von SchülerInnen in Kultur, Lernverhalten, sozialem Umfeld etc. eine Bereicherung darstellen,

• Betonung von Stärken, ohne Schwächen zu vernachlässigen,

• Grundhaltung, dass Fehler als Anlässe für Weiterentwicklung notwendig und positiv sind,

• Grundhaltung, dass Kompetenzen statt Lehrstoff vermittelt werden sollen.

Generell zielen alle Fördermaßnahmen darauf ab

• Begabungen und Interessen bei SchülerInnen zu entdecken und diese durch Angebote auszubilden bzw. zu stärken,

• Leistungsschwächen von SchülerInnen entgegenzuwirken,

• Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Sozialkompetenz, Kreativität, Präsentationsfähigkeit,

eigenverantwortliches Lernen und vernetztes Denken zu entwickeln.

 

Konkrete Maßnahmen und Angebote Allgemein

 

Auf struktureller Ebene

  • Möglichkeiten für Freistellungen bei privaten musikalischen Aktivitäten (Kurse, Wettbewerbe, Konzertmitwirkungen usw.),
  • Nachmittagsbetreuung (ab Schuljahr 2006/2007),
  • Multimediale Schulbibliothek,
  • Projektwochen (Sprachreisen, Kulturreisen, Probenwochen, schulinterne Projekttage, INF-Projekte für die 1. und 3. Klassen, Klassenbildungsprojekte an den Nahtstellen)
  • Möglichkeit für ein Auslandsemester/-jahr, Schüleraustausch und –kontakte,
  • zur Verfügungstellung von Räumen und Instrumenten zum Üben,
  • Angebote/Veranstaltungen/Lehrausgänge zur Berufsorientierung,
  • bei besonderer Leistungsstärke Möglichkeit des Überspringens von Jahrgängen oder von gleichzeitiger Absolvierung von Französisch und Latein ab der 5. Klasse,
  • ständige Information über außerschulische kulturelle Veranstaltungen (Homepage!),
  • Dank&Anerkennung für SchülerInnen bei besonderen Leistungen für die Allgemeinheit.

 

Beratung der SchülerInnen und ihrer Eltern

  • Beratung durch SchülerberaterInnen,
  • Beratung durch Schulpsychologen,
  • Beratung durch die Fachkoordinatorin für Musik in musikalischen Belangen,
  • Durchführung von Frühwarngesprächen, Elternsprechtagen, Tagen der Offenen Tür,Schnuppertagen für die 1. Klassen,
  • im Bedarfsfalle Coaching und persönliche Gespräche.

 

Differenzierung und Individualisierung/Methodenvielfalt

  • Lerntypenfeststellung
  • Entspannungstechniken, Kinesiologie, Konzentrations- und Gedächtnistraining,
  • Klassenteilung in Sprachen/Musikkunde bei großen Klassen,
  • Einsatz von begabten SchülerInnen als TutorenInnen,
  • Erstellung von Portfolios, Scrapbooks,
  • Einbeziehung von Native Speakers in den Sprachunterricht,
  • Projektunterricht (musikalische Projekte, Klassenprojekte usw.),
  • Fächerübergreifender Unterricht (z.B. BE/WE/Musikkunde bei Opernprojekten),
  • Portfolios als alternative Beurteilungsform,
  • 2-Phasenschularbeiten in D,
  • Vermittlung von Präsentations- und Lerntechniken,
  • Offenes Lernen,
  • Dramapädagogisches Arbeiten.

 

Vermittlung von Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen

  • Projekt Soziales Lernen, jährlich in zwei verschiedenen Klassen,
  • Unverbindliche Übung „Lernen lernen“,
  • Unverbindliche Übung „Konflikttraining“,
  • Methodentraining nach Klippert,
  • schrittweises Heranführen an freies Reden und Präsentieren.

 

Förderung für SchülerInnen mit besonderen Begabungen:

 

Im musikalischen Bereich

  • Projekt „Musikkunde Intensiv“: klassenübergreifendes Förderprojekt für Studierende und hochbegabte SchülerInnen ab der 9. Schulstufe
  • Zahlreiche Konzertveranstaltungen (z.B. jährliches Musikfest mit einem Chor- und

Orchesterkonzert im Großen Musikvereinssaal)

  • Unverbindliche Übung „Kammermusik“
  • Unverbindliche Übung „Popularmusik“
  • Stimmbildung in den 5. Klassen
  • Leistungsanreize durch Probespiele in das Orchester (Konzertmeister, Stimmführer, usw.), Aufnahme in den Kammerchor
  • Förderung von privaten Ensembles
  • Klassenabende, Hauskonzerte
  • Opern- und Konzertprojekte in Zusammenarbeit mit der Jeunesse, dem Mozartjahr, der Wiener Staatsoper
  • Mitwirkungen bei Produktionen des Theaters an der Wien, des Akademietheaters usw.
  • Unterstützung bei der Teilnahme an musikalischen Wettbewerben („Prima la Musica“)
  • Vermittlung solistischer Auftritte
  • Einrichtung von Klassen der Musikschule der Stadt Wien in den Räumlichkeiten des Musikgymnasiums (derzeit: Stimmbildung, Ausbau für Streicher in Planung)
  • In Einzelfällen Sonderproben, Einzelübungen, Stimmgruppenübungen, Solokorrepetition

 

Im nichtmusikalischen Bereich

Begabungsfördernde Zusatzprogramme wie Olympiaden, Wettbewerbe, Betreuung der FBAs, Unverbindliche Übungen zur Förderung besonderer Begabungen, Projekte, Schüleraustausch etc., z.B.:

  • Chemie-Olympiade,
  • Teilnahme an div. Sportwettkämpfen (Schwimmen, Leichtathletik, Friedenslauf, Fußballturniere usw.) Durchführung von Schwimmkursen zur Erlangung der Schwimmabzeichen,
  • Teilnahme an Mathematik-Wettbewerben,
  • Fachbereichsarbeiten in allen Fächern (Schulversuch seit 04/05, davor nur in Musikkunde möglich!),
  • Freifach „Italienisch“,
  • Unverbindliche Übung „Politische Bildung“,
  • Unverbindliche Übung „Bildnerisches Gestalten“,
  • Unverbindliche Übung „Darstellendes Spiel“ in Zusammenarbeit mit einer Theaterpädagogin,
  • Schreibwerkstatt, Einladung von Schriftstellern,
  • Theater- und Ausstellungsbesuche,
  • Vorgreifen auf Stoff höherer Klassen, Denksportaufgaben usw.

 

Förderung für leistungsschwächere SchülerInnen

  • Unterstützung an den Nahtstellen
  • Förderkurse
  • Förderkonzepte in der Tagesbetreuung
  • Unverbindliche Übung „Deutsch als Zweitsprache“
  • Leseförderung
  • Frühwarnsystem
  • Unverbindliche Übung „Lernen lernen“
  • Unverbindliche Übung „Legasthenie“
  • Projekt Soziales Lernen
  • Unverbindliche Übung „Englische Literatur“

 

Projekt LUST (ab dem Schuljahr 2006/2007)

Im Projekt LUST „Lernen und Selbstständigkeit trainieren“ werden wichtige Kompetenzen im Bereich von „soft skills“ vermittelt, die nicht nur im Unterricht der Oberstufe Voraussetzung sind, sondern auch für die zukünftige Reifeprüfung, besonders aber für Studium und Beruf wesentliche Qualifikationen darstellen.

 

Es geht dabei konkret um:

  • Förderung und Entwicklung der Lernkompetenz (selbstbestimmtes, selbstorganisiertes und selbstverantwortliches Lernen in kooperativen Lernformen, Arbeitsorganisation, Zeitmanagement usw.)
  • Methodentraining (Arbeitsformen, Kommunikation, Gesprächstechniken usw.)
  • soziale Kompetenzen (Austausch von Informationen, Teamfähigkeit, Verantwortung für sich und andere, Umgang mit Erfahrungen, Fertigkeiten, Gefühlen und Einstellungen)
  • Selbstkompetenzen und Präsentationstechniken (Auftreten, Sicherheit, Selbstvertrauen beim Darstellen von Inhalten).

Das Konzept von LUST umfasst nahezu alle Jahrgänge von der ersten Klasse an bis in die Maturaklasse.

 

Die folgende Aufstellung gibt einen entsprechenden Überblick über Ziele, Inhalte und Organisationsformen.

 

LUST Lernen und Selbstständigkeit trainieren

 

Jahrgang

  • alle 1. Klassen (integrativ)
  • Fortsetzung: „Lernen lernen“ als UÜ für 2.- 4. Klasse
  • alle 5. Klassen · alle 6. Klassen · alle 7. Klassen RG sowie
  • 8. Klassen ORG

 

Organisationsform

  • integrativ, angebunden an Trägerfach (z.B. in D, M oder E), Teamteaching
  • 2 Projekttage im 1. Semester sowie 1 Tag im 2. Semester: Workshop mit KV/KlassenlehrerInnen mit Trainerin
  • 1 Wochenstunde „LUST“ integrativ, angebunden an Trägerfach (z.B. in D, M oder E), Unterricht im 14-tägigen Wechsel in der Halbgruppe
  • Unverbindliche Übung „Bibliothekspraktikum“
  • Unverbindliche Übung „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“ (offen für alle, dringend empfohlen für SchülerInnen, die eine Fachbereichsarbeit erstellen wollen)

 

Stunden

1 Wst. pro Klasse

2 Wst. für UÜ Lernen lernen

1 Wst. pro Klasse geblockt, Lehrausgänge 1 Wst.

 

Ziele

  • Unterstützung beim Umstieg auf neue Schulsituation („Nahtstelle“)
  • Förderung und Entwicklung wichtiger Sozialkompetenzen
  • Einführung in Methodenkompetenz
  • Unterstützung bei der Bewältigung des Schulalltags bzw. des Zeit- und Ordnungsmanagements
  • Leseförderung
  • Förderung und Entwicklung der Lernkompetenz (selbstbestimmtes, selbstorganisiertes und selbstverantwortliches Lernen)
  • Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenz durch ausgewählte kooperative Lernformen
  • Entwicklung von Methodenkompetenz
  • Arbeits- und Zeitmanagement
  • Präsentations- und Kommunikationskompetenz
  • Selbstständiges, eigenverantwortliches Erwerben und Bewerten von Informationen in und mit Hilfe von Bibliotheken
  • Erlernen von Techniken zur Erstellung umfangreicher schriftlicher Arbeiten (Fachbereichsarbeiten, Spezialgebiete und Vorbereitung für schriftliche Arbeiten in Studium und Beruf)
  • Entwicklung von Fähigkeiten zur Darstellung und Präsentation der Arbeiten

 

Inhalte

  • Neue Schule, LehrerInnen und KlassenkollegInnen kennen lernen
  • Organisation des Arbeitsplatzes zu Hause und in der Schule
  • Einteilung der Arbeitszeit bei Hausübungen; Prüfungsvorbereitung
  • Wie funktioniert mein Gedächtnis, wie kann ich gute Gedächtnisleistung erreichen?
  • Durchführung eines Lerntypentests, Auswirkung auf Lernstrategien
  • Verständnis von Lernhemmungen
  • Aneignung und Üben von Lerntechniken
  • Förderung des verstehenden Lesens
  • Markieren und Exzerpieren von Texten
  • Arbeiten mit Nachschlagewerken, Wörterbüchern und Atlanten
  • Informationsbeschaffung im Internet
  • Vorbereitung auf Schularbeiten, Tests, Referate und Prüfungen
  • Üben von Präsentationen
  • Umgang mit Stress, Bewältigungsstrategien
  • Konzentrations- und Entspannungsübungen
  • „Gehirngerechtes“ Lernen: Psychologie des Lernens, Gedächtnistraining, Bedeutung von Motivation und Erfolg
  • Lerntypenbestimmung,  Hemisphärendominanz
  • Methodentraining: methodische Arbeitsformen, Kommunikationstechniken, Gesprächstechniken
  • Sozialkompetenz: kooperative Lernformen (Formen des Miteinanderkommunizierens); Austausch von Informationen, Umgang mit Erfahrungen, Fertigkeiten, Gefühlen, Einstellungen; Festsetzen von Regeln bei Konflikten, Entwickeln einer Streitkultur
  • Selbstkompetenz: Auftreten, Sicherheit, Selbstvertrauen
  • Präsentationstechniken:  OH – Folie, Plakate, Flipchart, Powerpoint, Kärtchentechnik usw.
  • Lernmanagement: individuelles Zeitmanagement, Selbstorganisation, Lernplanung, persönlicher Ordnungsrahmen
  • Erweiterte Einführung in die multimediale Schulbibliothek und Besuch öffentlicher Bibliotheken (Hauptbücherei; NB, UB; Wiener Stadtbibliothek)
  • Aufbau der Bibliothek, Bibliotheksordnung /Ausleihe, OPAC, Nutzungexterner Datenbanken,…
  • Recherchieren in den Medien der mmSb und öffentlicher Bibl. (Ziel klären, Informationen suchen; Suchweg auswerten); Vergleich und Bewertung von Quellen
  • Vermittlung von Arbeitstechniken (Lesen von Texten, Exzerpieren, Bewertung und Verknüpfung von Informationen, …); erste Schritte zum wissenschaftlichen Arbeiten
  • Unterstützung beim Gestalten, Visualisieren, Vortragen und Präsentieren durch das mulitmediale Angebot in der mmSb
  • Von der Idee zur Gliederung – Leitlinien der Entwicklung einer Arbeit
  • Schritte zu einer inhaltlichen Klärung einer Arbeit
  • Anleitung zur Literaturrecherche; Nutzung der multimedialen Bibliotheken
  • Entwicklung einer Gliederung
  • Leitlinien zur Erstellung eines Arbeitsprotokolls
  • Sinnvoller und korrekter Einsatz von Zitaten in der eigenen Arbeit; Zitierregeln
  • Layout und graphische Gestaltung einer wissenschaftlichen Arbeit
  • Wissenschaftliches Arbeiten mit „Word“
  • Erstellen eines Handouts/Abstracts
  • Präsentationsformen

 

Probleme und Wünsche

  • Individuelle Förderung benötigt auch ganz bestimmte Rahmenbedingungen: kleinere Klassen, mehr Wochenstunden pro Lehrer in einer Klasse sowie finanzielle Ressourcen (letzterem wurde durch ein zusätzliches Werteinheitenkontingent für den Bereich Fördern entsprochen);
  • Schüler nehmen aus Belastungsgründen (Instrumentalunterricht, Übezeiten, zahlreiche musikalische Aktivitäten) oft die zusätzlichen Förderangebote nur punktuell oder nicht wahr;
  • Daraus ergibt sich die Notwenigkeit einer stärkeren Bewusstmachung des Verantwortungsbewusstseins bei SchülerInnen und Eltern; SchülerInnen arbeiten ausschließlich für sich selbst und ihre Zukunft, die Schule kann außerhalb des Pflichfächerkanons nur Angebote machen.

Wien, Jänner 2009