„Poetry Slam“ am MGW

Im Schuljahr 2015/16 wurde zum ersten Mal ein „Poetry Slam“ an der Schule veranstaltet. Dabei verfassten Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, unter der Leitung von Frau MMag. Schönleitner und Frau Mag. Muckenhuber, kreative, lustige und nachdenkliche Poetry Slam Texte. Diese wurden im Anschluss dem Publikum im Chorsaal präsentiert, das wiederum ihren Gewinner kürte. Der verdiente 1. Platz ging dabei an Til Tiedge, 9c.

Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Lesen!

Til Tiedge mit „Hunger“

Als ich mal mit beschwingtem Schritt
meinen Schulheimweg bestritt
und durch die traute Türe kam.....
lag leider meine Mutter lahm
Die Grippe steckt' ihr in den Knochen
drum konnt' sie keine Knödel kochen
wie noch am Morgen wir geplant....
Doch, Mama mich sogleich ermahnt
„Mach deinen Scheiß dir doch alleine!“
Denn Kunst sei das nun wirklich keine

Das Scheiß kam nicht von ungefähr
sie ist nicht immer so vulgär
doch offenbar nicht gut gelaunt
was an der Stelle kaum erstaunt

Doch an der Stelle sei erwähnt
jeder der mich besser kennt
weiß es: neben andren Schwächen
Koche ich ziemlich zum Erbrechen
So derartig motiviert
wurde Richtung Herd marschiert
ich öffnete die Küchentür
und schaute mal, was seh ich hier:
Erbsen, Spargel, Salz, Karotten
Honig, Trauben, Artischocken
Auberginen, Dosenmais
Ölsardinen, Langkornreis
Thymian, Oregano
eine Schachtel Marlboro
Ingwer, Weißwein, Weizenmehl
Kürbis- und Olivenöl
Eine Abgehackte Hand
Pflaster, Duc-tape, Blut, Verband
Schnitzel, Steaks, und Hühnerbeine
nur Fertigknödel sah ich keine

Da hör ich meine Mutter schnaufen
„hab vergessen einzukaufen“
ich wollt' damals schon nichts sagen
aber man kann sich schon fragen....
doch da muss man drüber stehen
ist doch alles kein Problem
ist doch alles noch im Lot
Mach mir halt ne Scheibe Brot

Schlendernd ich zur Brotbox ging
öffnete das alte Ding....
Plötzlich Staub von allen Seiten
Asche aus vergangenen Zeiten
Mumienreste, alte Scherben
Künder von Tod und Verderben
Dann ein Licht.... ich sehe klar
nur Brot ist eher wenig da

Da kam ich aus der Küche wieder
Hunger nagt an meinen Gliedern
kurz vor dem Erschöpfungstod
röchle ich: „Wir ham kein Brot“

So statt schön zu schnabulieren
kam ich langsam ins Sinnieren
über Hunger allgemein
bin ja sicher nicht allein
nein es muss noch andre geben
die ein essenloses Leben
führen, zumindest temporär
auch wenns anders schöner wär
könnt' jetzt anfangen zu reden
über leer-gekaufte Läden
Lebensmittelmangelware
von der Wiege bis zur Bahre
Kinderleid in Afrika
Monsanto in Amerika
was so schiefläuft allgemein
aber nein... ich lass es sein

Denn an dem Tage fand stattdessen
ich statt einem Mittagessen
statt meines Magens Leibgericht
verfasste ich ein Schreibgedicht:

An all euch Fastfood-Futter-Fritzen
Kuchen- Kaffeehaus-und Spitzen-
Deckchen Konditorei-Stammkunden
Schweineschnitzel-Stammtischrunden
Mager-Milchprodukte Käufer
Fritten-Frittierfett-Komasäufer
Frikadellen-Fetischisten
7 Meter Einkaufslisten
Kalorienkonsum-Kaiser
Schmatzt mal kurz ein bisschen leiser
ich hab ganz knapp etwas zu sagen
drum geduldet euren Magen
Ich halt entgegen dem der isst
Dichtung als Kunst die brotlos ist.