Berichte über das Musikfest 2013

Musikfest 2013 des Wiener Musikgymnasiums
Exzellente Musikkultur im Goldenen Saal




Das Musikfest 2013 des Musikgymnasiums Wien bescherte dem geneigten Publikum im jeweils übervollen Großen Saal des Wiener Musikvereins am Freitag, dem 8. und Samstag, dem 9. März 2013 einen besonders reizvollen Konzertabend von großem Wohllaut und exzellenter Musikkultur.
Auf dem reizvollen Programm stand einleitend Franz Schuberts "Unvollendete", D 759, in h-Moll, die dem jugendlichen Orchester reichlich Gelegenheit bot, sein Können, seine Sensibilität und seine konzentrierte Aufmerksamkeit - bis hin zu den kühnen Synkopierungen - unter Beweis zu stellen.
Vor der Pause kam dann - wirklich eine höchst erfreuliche und amüsante Überraschung! - Herwig Reiters Komposition "Was macht man, wenn ..." (nach Texten von Peter Turrini) zur mehr als gelungenen Uraufführung, wobei sich Herbert Steinböck als Sprecher bestens bewährte. Dieses ganz besonders reizvolle Werk verarbeitet die witzig-frechen Texte in gekonnter, launiger und immer abwechslungsreicher Form und verdient aufgrund seiner künstlerischen Qualität eine möglichst rasche allgemeine Verbreitung durch zahlreiche Aufführungen.
Nicht nur der Dirigent und das gesamte Chor-Orchester-Ensemble sondern auch der Autor und der Komponist konnten sich über den stürmischen Beifall zu Recht freuen. Eine echte Entdeckung für die Musikkultur des 21. Jahrhunderts!
Nach der Pause erklang das immer wieder ergreifende und bewunderungswürdige Requiem in d-Moll, KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit großem Ernst und ganzer Kraft bewährten sich der sehr präzise singende Chor und das glänzend einstudierte Orchester an den Schwierigkeiten von Mozarts Schwanengesang. Wesentlichen Anteil an der stimmigen und konzentrierten Darbietung hatten auch die Solisten Ildikó Raimondi (S), Marjana Lipovšek (A), Helmut Wildhaber (T) und Robert Holl (B).
Für das abermals mehr als gelungene Musikfest gebühren dem stilsicheren, feinsinnigen und omnipräsenten Dirigenten Richard Böhm sowie dem gesamten Team der einstudierenden MusikprofessorInnen aufrichtiger Dank und größte Anerkennung.
Das soll dem Musikgymnasium Wien erst einer nachmachen!

Hofrat DDr. Wolf Peschl, AGMÖ-Nachrichten Nr. 97/2013-2



Xaver Meyer: Musikfest 2013

Am Freitag, 8. März, und Samstag, 9. März des vergangenen Schuljahres lud das Musikgymnasium Wien in den Goldenen Musikvereinssaal zum Musikfest 2013 ein. Wie immer war das Haus bis auf das letzte Plätzchen mit erwartungsvoll gestimmtem Publikum besetzt, darunter viel Jugend und auch der vormalige Rektor der Wiener Musikuniversität, Erwin Ortner. Man konnte sich auf ein reizvolles und abwechslungsreiches Programm unter der Leitung von Richard Böhm freuen. Zu Beginn hörten wir Schuberts Unvollendete, gefolgt von Herwig Reiters "Was macht man, wenn ..." nach Texten von Peter Turrini. Im zweiten Konzertteil stand Mozarts Requiem auf dem Programm.

Schon in der Symphonie konnte man geradezu beglückt feststellen, dass sich die jungen Musikerinnen und Musiker in den besten Händen befinden: Persönlichkeiten, vorwiegend aus den Reihen der Wiener Philharmoniker, halfen bei der Vorbereitung mit und standen den einzelnen Spielern zur Seite – und das hörte man! Mittlerweile sind ja nicht weniger als dreißig Absolventen der Schule bei unserem Meisterorchester gelandet. Der Streicherklang ist weich, intonationsrein und klangschön. Die Bläser demonstrierten edle Wiener Schule und sind auch in solistisch geführten Passagen des Werkes von großer Wärme und Musizierfreude. Für die ausdrucksvolle Gestaltung, differenzierte Führung und Abstimmung der einzelnen Instrumentengruppen sorgte der Dirigent, der sich einmal mehr neben seiner musikwissenschaftlichen Kompetenz als homo doctus sub auspiciis praesidentis rei publicae austriae auch als feinfühliger, temperamentvoller und eindringlich gestaltender Musikpraktiker erwies.

Der ehemalige Wiener Sängerknabe Herwig Reiter, Jahrgang 1941, schreibt mit viel Humor wirkungsvolle und ansprechende Musik zu Turrinis Texten, die hör- und sichtbar den jungen Leuten echt Spaß bereitete: Wer darf schon musizierend darüber nachdenken, was zu machen ist, "wenn man von einem Erwachsenen 'Blödmann' geschimpft wird, wenn die Nachbarstochter über den Zaun schaut und einen anlacht, wenn ein Löwe daher kommt"? Der Chor übernimmt wirkungsvoll die Aufgabe, bald mit Silben wie plum, ta-ta, duff, dum-dum oder nur mit dem lang gedehnten uuu, wie in dem Wort cool, den Sprecher zu unterstützen. Auch hier fielen hoch begabte Instrumentalisten angenehm auf. Mit Herbert Steinböck konnte Böhm einen erfahrenen Schauspieler und Kabarettisten für die Rolle des Sprechers gewinnen.

Zum Höhepunkt des Konzertes wurde das Requiem von W. A. Mozart. Von den ersten Takten an war mit den original gewünschten, von der Wiener Staatsoper geliehenen Bassetthörnern und Fagotten eine authentische Aufführung zu erwarten, die nichts an Schönheit und Tiefgang zu wünschen übrig ließ. Wieder bestach der professionelle und beseelte Klang des jugendlichen Orchesters sowohl in seiner Gesamtheit als auch bei solistischen Leistungen. Ich habe das Posaunensolo im „Tuba mirum" nie schöner und perfekter gehört, als an diesem Abend! Dem fabelhaften Orchester stand der ebenso engagiert musizierende Chor in nichts nach: Sowohl die dramatisch lebhaften, wie die lyrisch zurückgenommenen Abschnitte des Werkes kamen durch die disziplinierten Sänger voll zur Geltung. Wie es dem Dirigenten gelungen ist, solch ein hochkarätiges Solistenquartett mit den Damen Ildikó Raimondi, Marjana Lipovšek und den Herren Helmut Wildhaber und Robert Holl zu gewinnen, ist bewunderungswürdig und spricht für die hohe Wertschätzung des Musikgymnasiums.

An der großartigen Einstudierung der aufgeführten Werke beteiligte sich neben Richard Böhm selber das hervorragende Team der Musikpädagogen und – wie schon erwähnt – eine Gruppe prominenter Mitglieder der Wiener Philharmoniker und, in einem Fall, des Volksopernorchesters. Dass zwei Herren von ihnen, der Geiger Daniel Froschauer sowie der Fagottist und Koordinator Wolfgang Koblitz, in der Unterstufe im Penzinger Gymnasium die Schulbank gedrückt hatten, freut den Autor dieses Artikels ganz besonders.

Das Programmheft, musterhaft und geschmackvoll von Richard und Claudia Böhm gestaltet, enthält eine Vielzahl von lesenswerten Beiträgen des Lehrerteams und Originalzitate; sie bieten dem Kenner der Literatur wie dem Musikliebhaber interessante neue Einblicke in Entstehung, Aufbau und Wertschätzung der gebotenen Werke sowie deren Komponisten.

Abschließend lässt sich sagen: Es ist dem Musikgymnasium Wien mit diesem Musikfest 2013
der eindrucksvolle Beweis gelungen, dass es zu den bedeutendsten Institutionen für den musikalischen Nachwuchs Österreichs zählt.


OStR Prof.Dr. Xaver Meyer ist einer der renommiertesten Chorleiter Österreichs. Er war über viele Jahre künstlerischer Leiter mehrerer bekannter Chöre und Ensembles und Gründer und langjähriger Leiter des Wiener Madrigalchores. Als Gastdirigent in- und ausländischer Ensembles, Juror bei Chorwettbewerben, Mitarbeiter in Musikfachzeitschriften, Referent von Chorleiter- und Stimmbildungs-Seminaren und als Fachberater des Unterrichtsministeriums in pädagogischen Kommissionen hat er sich hohes Ansehen erworben. Daneben war Prof. Meyer auch Musik-Professor am Penzinger Goethe-Gymnasium.