Gratulation zum Musikfest 2012

Liebe Mitwirkende des heurigen Musikfests!



Herzliche Gratulation zu den drei gelungenen Konzerten und dem Höhepunkt am vergangenen Donnerstag im Konzerthaus. Ich gratuliere allen MusikerInnen, SängerInnen, SolistInnen und den einstudierenden LehrerInnen, Elke Kohler für die Organisation, sowie Andreas Pixner als verantwortlichem künstlerischen Leiter sehr herzlich zu diesem Erfolg. Das Musikgymnasium hat sich nicht nur würdig, sondern auch sehr professionell präsentiert und viele begeisterte Rückmeldungen haben gezeigt, dass sich die Arbeit gelohnt hat.

Hier geht´s zur Bildergalerie!

Exemplarisch möchte ich einen Bericht an dieser Stelle widergeben, der für mich genau die wesentlichen Punkte trifft. Ich danke Herrn Direktor Karl Masek sehr herzlich für dieses Schreiben und die "Lorbeeren"!

GROSSARTIGE ARBEIT WÜRDE MEHR MEDIALE AUFMERKSAMKEIT VERDIENEN

Am Beispiel des Festkonzerts 2012 des Wiener Musikgymnasiums – Konzerthaus 19.04. 2012

Wir kennen sie: Die Sonntagsreden und Lippenbekenntnisse betreffend „Kunst und Kultur ist seelische Nahrung“. „Österreich, die Kulturnation. Wien, eine Welthauptstadt der Musik.“ Mit aller Selbstbeweihräucherung.  Man  ist stolz auf die eigene Vergangenheit – und wer aller in Wien gelebt und künstlerisch gewirkt hat. Man ist stolz auf Institutionen wie die Wiener Staatsoper, die Wiener Philharmoniker, die Wiener Sängerknaben, die Museen, die Lipizzaner – auf alles, was dem Land Prestige und Devisen einbringt. Man ist stolz auf die Stars, die in Wien auftreten. Wenn Elina Garanca oder Anna Netrebko nach der Babypause wieder in Wien singen, gibt es von Kulturseiten bis zu Gesellschaftsrubriken Dutzende Berichte, Rezensionen, Interviews. Schlagzeilen über Schlagzeilen.  Zugleich gibt es  aber auch in regelmäßiger Wiederkehr kritisch - besorgte Wortspenden von berühmten Maestri beispielsweise zu Einsparungstendenzen im Kunstunterricht, zu Problemen des Orchester- und Sängernachwuchses. Bis auf wenige Ausnahmen (etwa Fabio Luisi, der mit den SchülerInnen des „mgw“ Berlioz’ „Fausts Verdammnis“ mit erarbeitet und schließlich dirigiert hat) nimmt sich niemand  der prominenten Kritiker und „Besorgten“ die Mühe, mit dem Nachwuchs im Alltag zu arbeiten, Meisterkurse einmal ausgenommen.

Wenn künstlerischer Nachwuchs (der dazu beitragen soll, dass  Österreich eine Kulturnation bleiben kann oder dass man Wien weiterhin als eine Welthauptstadt der Musik bezeichnen darf) eine Monate lange Arbeit und Auseinandersetzung (Dank auch an die Wiener Symphoniker für die Probenunterstützung!) mit monumentaler Orchester- und Chormusik in einer groß dimensionierten Leistungsschau präsentiert, ist der Große Konzerthaussaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Aber bei den Medien ist das Interesse null. Von Schlagzeilen keine Spur!  Ich weiß auch nicht, ob irgendjemand aus der Wiener Kulturpolitik das Konzert mit seiner/ihrer Anwesenheit beehrt hat.

Das Wiener Musikgymnasium würde es verdienen, dass man einer über viele Jahre exzellenten pädagogisch-künstlerischen Arbeit mehr öffentlich - mediale Aufmerksamkeit entgegen bringt!

Auch im Schuljahr 2011/12 also ein ehrgeiziges Projekt.  Man stellte sich der Herausforderung, zwei der sicher schwierigsten Werke Ludwig van Beethovens zu stemmen: Seine siebente Symphonie (A-Dur op.92) und die machtvolle Messe in C-Dur für Soli, Chor und Orchester op.86, um die die  Profis meist einen großen Bogen machen. Dazwischen der wundersame „23. Psalm: Gott ist mein Hirt“, D 706, von Franz Schubert.

Erwartungsvolle Spannung vor der Poco sostenuto – Einleitung der „Siebenten“ Beethoven. Vergangene Hörerfahrungen unbedingt ausblenden. Karajan, Carlos Kleiber, Thielemann: Ein Abend lang kein Thema! Den Jungen zuhören!

Und sie präsentieren sich vortrefflich! Homogene Erste wie Zweite Violinen (große weibliche Mehrheit!), samtig grundierende Violen, Celli und Kontrabässe. Erstklassig, weil voll Klangschönheit und in den Soli „eloquent“ Oboen, Flöten, Klarinetten und Fagotte, respektabel etliche heikle Stellen meisternd  die Blechbläser, markant und selbstbewusst die Pauke. Schon der schwierige  erste Satz (bei dem schon berühmte Dirigenten und Orchester nicht in die „richtige Balance“ fanden!) gelang hochkonzentriert. Dirigent Prof. Andreas Pixner strahlte mit sachlicher Unaufgeregtheit und klarer Gestik sowie ausgewogenen Tempi Sicherheit aus, die sich auf das Orchester übertrug. Tempoexzesse oder extreme Rubati wurden nicht verlangt. Wirklich schön gesteigert das „Allegretto“. Das „Scherzo“ hatte mit punktgenau gesetzten Sforzati die nötigen Spurenelemente von Beethovens gallig-sarkastischem Witz. Und die „Apotheose des Tanzes“ hatte wirbelndes Brio, das Partitur gerechte „Allegro con brio“ war bewältigbar. Und uferte nicht zu einem „Prestissimo“ aus.  Berechtigter Jubel (Und keinen Moment an Karajan, Carlos Kleiber oder Thielemann gedacht!).

Schier endlos der Auftritt des Unterstufenchors für Schubert. Da war wohl die „gesamte Unterstufe“ dabei!  Wunderbar austariert der Breitwandklang. Es gibt ja  kaum etwas Schöneres, als wenn  ein groß dimensionierter Chor ein ebenmäßiges, fein abschattiertes  „Piano“ singt. Besonders berührend, weil die Knaben und Mädchen ihre frischen, reinen Stimmen mit ganz natürlicher Klangschönheit präsentieren durften und eben nicht säuselnd oder sonst wie „gefühlig“ klangen.  Zusätzlich ein Genuss, dass man ohne Blick ins Programmheft vom poetischen Text des „Gott ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln…“ jedes Wort verstand!  Theresia Kropfitsch begleitete klangschön am Klavier.  Kompliment der erstklassigen Stimmbildungsarbeit durch die einstudierenden ProfessorInnen! Dass der bewundernswerte Könner Andreas Pixner im letzten Jahrzehnt etliche Preise bei renommierten  Chorwettbewerben einheimste, ist hoch verdient und natürlich kein Zufall.

Kann man Höhepunkte noch „toppen“? Im Wiener Musikgymnasium kann man es!

Die Wiedergabe der Beethoven-Messe (die völlig zu Unrecht im Schatten der „Missa Solemnis“ steht!) kann man getrost als ereignishaft bezeichnen.

Hier wuchsen Oberstufenchor wie Orchester über sich hinaus. Das war keine Schüleraufführung, das war vom ersten Takt des „Kyrie“ bis zum ätherisch verklingenden „Agnus Dei“ ein packendes Gesamtkunstwerk von hochprofessioneller Qualität mit spiritueller Dimension. Und jede/r Einzelne vermittelte das Gefühl, mit Herzblut dabei gewesen  zu sein.

Die vier Soli waren perfekt aufeinander abgestimmt. Cornelia Horak fand zu innigen Tönen, Kammersängerin Gabriele Sima phrasierte meisterhaft mit ihrem ebenmäßigen und schlanken Alt (auch hier kein Zufall, dass in ihrer Sologesangsklasse am Wiener Konservatorium alle ihre StudentInnen hochmusikalisch singen und agieren!), Oliver Kook gefiel mit lyrischem Tenor - und Klemens Sanders schön timbrierter  Bariton rundete die Ensembles trefflich ab.

Jubelnde Ovationen für ein bereicherndes Festkonzert 2012, wobei die Phonstärke, zuerst für den Dirigenten Andreas Pixner, dann aber auch beim „Vorhang“ für die einstudierenden ProfessorInnen (Monika Arbeiter-Salzer, Richard Böhm, Johannes Kerschner, Georg Kugi, Elisabeth Lampl, Herbert Ortmayr und Thomas Reuter) noch einmal deutlich in die Höhe schnellte, weil dann Applaus samt Jubel auch vom Podium selbst kam. Schön diese Demonstration gegenseitiger Wertschätzung!

Ich darf es mit einem „kollegialen Du“ sagen: Ihr könnt stolz sein auf das Geleistete! Nach einem solchen Abend braucht einem nicht bang sein, was nachfolgende InstrumentalistInnen, SängerInnen oder ChoristInnen für Österreichs Orchester oder Chöre anlangt. Es gibt große Talente – und es gibt sie,  die begeisterten, charismatischen LehrerInnen, die aus diesen Talenten ganz viel herausholen!

Karl Masek / 22.04. 2012
Direktor der Kooperativen Mittelschule mit musisch-kreativem Schwerpunkt
Johann Hoffmann-Platz 19
1120 Wien